
Jedes Jahr ist in Duxford
nordöstlich von London das traditionelle „WAR-BIRD" flying. Während wir
Deutsche noch immer über unsere Vergangenheit lamentieren uns Asche aufs
Haupt träufeln und uns als die größten Bösewichte in der Welt seit der Römerzeit
selbst darstellen, haben die Engländer ihr Selbstwertgefühl fest im Griff.
Warum sollen sie auch die
Bösewichte sein, wenn es Deutsche gibt, die alle Schuld auf sich nehmen.
So haben sie Flugzeugmuseen eingerichtet, wo nicht nur alte Kriegsflugzeuge
ausgestellt sind, sondern auch flugbereit instand gesetzt werden. So zieht
es jedes Jahr die englischen Kriegsveteranen nach Duxford, wo ihre Feldherrenerinnerungen
sie mit Stolz erfüllen. Dann ziehen über die Zuschauerköpfe Mitchell-Bomber,
Spitfire, Hurrikans, Lancaster und auch Me 109 hinweg. Sie brummen dann
im vertrauten Sound.
Egal in welcher Waffengattung
, ob sie im Suez, Indien, Burma, Afrika oder auch in Deutschland gekämpft
haben. Duxford ist ein Muss für jeden Engländer, der britisches Selbstbewusstsein
hat. So werden Schülerausflüge nach Duxford organisiert um auf die glorreiche
Vergangenheit der RAF-Royal Airforce (bei uns mit „Roter Armee Fraktion"
nicht zu verwechseln) zu erinnern.
Ich habe den Krieg nicht
mitgemacht. Vielleicht gerade deswegen kann ich mich für die technisch und
optisch sehr interessanten Propellerflugzeuge auch begeistern, und dann
von Deutschland nach England mit einem eigenem Flugzeug direkt zur Flugschau
zu fliegen, das ist ein Traum, den sich gewiss nur wenige erfüllen können.
So sortierte ich meine Informationen, schaute in den Atlas, maß nach und
glaubte es schaffen zu können.
Meine Überlegungen mit einem UL nach England
zu fliegen, wurde von meinen Vereinskameraden (Echo-Flieger) süffisant zur
Kenntnis genommen.
Gut gemeint wurde mir angeboten,
mich ihnen anzuschließen und auch in einer gecharterten Antonow mitzufliegen.
Dieses wiederum warf meinerseits die Frage auf, was bewegt Echo-Piloten,
die Vereinflugzeuge zuhause lassen um mit einer gecharterten Maschine nach
England zu fliegen, wobei die Kosten gleich, wenn nicht noch höher sind?
Liegt es an der schlechten Orientierungsmöglichkeit, wegen mangelnder Schienen
über dem englischen Kanal, dem berüchtigten englischen Nebel, mangelnde
Fähigkeit in Notsituationen schwimmen zu können, dem englischen Sprechfunk,
Flugplanaufgabe oder gar den Heimatflugplatz nicht wieder zu finden? Mein
Kopfschütteln ihnen gegenüber war von realistischeren Gedanken geprägt als
umgekehrt. Doch Spaß beiseite. Risikolos ist solch ein Unternehmen keineswegs.
Wir sind alle keine Profis, sondern nur Hobbyflieger. Aber als ehemaliger
Putzlappenflieger darf ich wohl auch mal lästern. So bestellte ich die Karten
für Belgien, Frankreich und England samt Triptik-Set. Mit meinem As im Ärmel,
Ralf Heinrichs, ein angehender Linienpilot, arbeiteten wir die Route aus.
Grob über den Daumen 3 Stunden bis Kortrejk in Belgien, kleine Pause zum
Auftanken und noch mal 3 Stunden bis Duxford .
So näherte sich dann das
besagte Wochenende. Donnerstag sollte es losgehen. Für die Antonowflieger
als auch für uns. Als ich Mittwochnachmittag meinen Flieger flugfertig gemacht
hatte, bekam ich natürlich noch mal von einem Vereinskameraden das wohlwollende
Angebot einen nicht besetzten Platz in der AN2 einnehmen zu können. Der
wollte es immer noch nicht glauben mit dem UL über den Ärmelkanal, ohne
LBA-Stempel am Flugzeug (unmöglich), zu fliegen.
Nach dem Wetterbericht wurde
am Vorabend der Flugplan per Telefon aufgegeben.
Pünktlich um 8.30 Uhr erhob
sich unser Flieger am 1. Donnerstag im Juli 2001 vom Flugplatz Schmallenberg-Rennefeld
gegen Engeland. Die Antonowflieger wollten das zwar auch, aber kein Mensch
war zu sehen.
Bei bedecktem Himmel und
mittlerer Sicht flogen wir Richtung Wipper. Leverkusen, Kontrollzone Düsseldorf
kratzen, Aachen und jetzt die belgische ICAO-Karte. Gott segne Deutschland.
Ohne GPS durch Belgien mit deren ICAO-Karte, die sehr wenig Kontraste aufweist.
In einem Land, wo es nur so von Kontrollzonen wimmelt. So geschwitzt habe
ich noch nie. Doch dann kehrte Ruhe ein. Der Erfolg die ersten 50 km die
Orientierung nicht verloren zu haben, machte stark.
Vom VOR Flora ging’s mit
280° nach Aarschot. Hier bietet sich als Auffanglinie ein Eisenbahnabzweig
und Flusslauf an. Eisenbahn und Straße kann bis Pflichtmeldepunkt Lier (Kontrollzone
Antwerpen) angehalten werden. Jetzt West-Südwest zwischen den Kontrollzonen
von Brüssel und Antwerpen vorbei. Welch ein Aufatmen, Autobahnkreuz Willebroek
wurde überflogen .Der weitere Flug ist dank Eisenbahn, Flusslauf der Schelde
und der Autobahn nach Lille an Gent vorbei, nun ein Kinderspiel. Kortrijk
muss dann irgendwann rechts an der Autobahn liegen.
Tatsächlich, rechts von der
Autobahn, taucht Kortrijk im Dunst auf. Die Frequenz von Brüssel Information
wird für Kortrijk gewechselt und schließlich war das erste Etappenziel erreicht.
Das Zwischenergebnis wurde bei einem Mittagessen im Flugplatzrestaurant
gefeiert. Zwischendurch kam der Zöllner an den Tisch und wünschte guten
Flug. Der freundliche und hilfsbereite Mann auf dem Turm gab den Flugplan
auf, und schon rollten wir auf dem Taxiway gegen Engeland. Unsere Autobahn
leitete uns wieder weiter Richtung Westen. Doch kurz vor der französischen
Grenze hörte sie auf. Jetzt heißt es Kurs halten. West-Südwest müsste die
Eisenbahn nach Dünkirchen auftauchen. Richtig, sie jetzt kreuzen und da
war die Eisenbahn nach Calais.

Rechts Calais liegen lassen
und da ist schon der Kanal. Der Leuchtturm von Sahngatte. Jetzt war geplant
zu Steigen um im Gleitwinkel nach England einzufliegen (denn wir haben ja
ein UL-Flugzeug und fliegen nur auf Sicherheit).
Wolkenuntergrenze max. 300
m. Heiliger St. Rotax schau bitte nicht nach unten. Nebelschleier ziehen
vorbei. Gut ausgetrimmt liegt unser C 42 satt wie ein Verkehrsflugzeug in
der Luft. Nur mit Seitenruder muss der Kurs gehalten werden. Eine Flugeigenschaft,
die bei Langstreckenflügen nicht angenehmer sein kann. Über Segelboote,
Fährschiffe und Frachter hinweg, schweift der Blick zum unsichtbaren anderen
Ufer. Tiefes Durchatmen nach 20 min. Hafen von Dover in Sicht. St. Margarets
Cliff grüßt uns. Der Eisenbahn entlang nun weiter nach Canterbury und Rochester.
Es darf jetzt wieder geflaxt werden.
Alles ist plötzlich ganz
einfach. Rechts ist die See in Sicht. Wir überqueren
die
Themse. Unter uns ist reger Schiffsverkehr. Die Hafenanlagen von London
und das Kraftwerk von Tilbury geben gute Orientierungspunkte ab. Jetzt den
nördlichen Autobahnring um London anhalten. Dann kommt ein Fluss mit Eisenbahn,
dem folgen wir Richtung Norden. Kontrollzone London Stansted rechts liegen
lassen und das VOR Nuthamstead anpeilen. Jetzt Kurs Nord und nach 15 km
liegt unser Wiesenplatz Fowlemere unter uns (4 km schräg gegenüber liegt
Duxford). An Funk hat hier kein Mensch Interesse.
Runter zur Landung und siehe da, wir sind heute die ersten Deutschen. Aber
davon nimmt hier keiner Notiz. Man begrüßt uns am Hangar freundlich, als
wenn wir gerade um die Ecke gekommen wären. Hallo, you like coffee, some
sweets? Here is the automat. Unsere Vereinskameraden kamen dann doch noch
mit der Antonow -2 Stunden später-.
Wir freuten uns alle wieder
beisammen zu sein und hatten das nächste gemeinsame Ziel: Das nächste engl.
PUB aufzusuchen.
Und die nächsten Tage gab
es nur noch Motorengebrumme wie zu Kriegszeiten mit Bombengeschwadern ,
Luftkämpfen, wobei manchmal auch was kaputt ging. Alles bei Wolkenuntergrenze
ca. 500 m. - Alles wie im richtigen Leben -.
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Prospekt der Airshow
von Duxford
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Duxford;
unser "Taxi" Jahrgang 42.
Alles Original, incl. der Engländer in RAF Uniform
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Original Wandgemälde
in einer Scheune, die als Offizierskasino im 2. Weltkrieg diente
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Cockpit eines
Bombers
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Vorn Storch, hinten
Ju52 -flugfähig-, ganz vorn Alfred Schnüttgen
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An unseren Rückflug dachte
jetzt noch niemand, denn der sollte auch noch spannend werden.
Alfred Schnüttgen
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Flugvorbereitung:
Der Funk
wird in Englisch durchgeführt. Keine Angst! Die Fluginformation
ist sehr hilfsbereit und beschränkt sich im allgemein
auf die notwendigsten Informationen. In England verlangte
man z.B. von London-Control: die Angabe der jeweils
nächsten größeren Auffanglinie .Das muss nicht die Regel
sein. Oft gibt die Fluginformation gar keine Antwort.
Die Karten:
Am hilfsreichsten für die terristische Navigation sind
noch immer die ICAO-Karten. Sie sind jedoch von Land
zu Land in unterschiedlicher Kontrastqualität. Mit verschiedenen
Karten im gleichen Streckenabschnitt zu fliegen ist
verwirrend.
GPS
:
Hat man
keine Ruten oder Flugplätze im GPS eingespeichert, so
zeigt das GPS immerhin die Koordinaten der momentanen
Position an. Bei der Planung sollten neben den Auffanglinien
auch wichtige Koordinaten notiert werden.
Flugplanaufgabe:
Das Formular ist im Internet mit Ausfüllanleitung erhältlich.
Gibt man dann den Flugplan per Telefon auf, hat man
die Gewissheit nichts falsch gemacht zu haben. Der Zielflugplatz
schließt den Flugplan im allgemein selbständig. Nachfragen
ist nicht verkehrt. Man kann auch selbst die Flugsicherung
anrufen. Dann sollte man sich den Namen der Person notieren,
die das Gespräch entgegen nimmt. Denn wird innerhalb
der Fluginformation die Landung nicht verarbeitet (Computer)
wird unter Umständen behauptet, man hätte den Flugplan
nicht geschlossen.
Landplätze
für UL:
Für Belgien und Frankreich siehe Internet, DULV usw.
In Belgien ist es wie in Deutschland. UL-Platzzulassungen
kommen und gehen. In England kann man überall landen
( Einverständnis des Grundstückeigentümers). Engländer
sind flugbegeistert, auch die Nichtflieger. Die Landegebühren
sind jedoch recht hoch.
Zoll Hin:
Deutschland- Belgien: Schengener Abkommen
Belgien-England:
manchmal kommt ein Zöllner
England:
keinen Zoll gesehen
Zurück:
dito.
Sicherheitsausrüstung:
danach gefragt hat keiner. Schwimmweste nicht verkehrt,
evtl. 2-tes Handfunkgerät.
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