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Hans Otte

LSG Korbach-Nordenbeck

Stand:  Juni 2007

 

 

Duxford / England

der Sprung über den Teich und die guten Vorsätze.

 

Reisebericht unseres Vereinsmitgliedes Alfred Schnüttgen

 

Z O O M

Jedes Jahr ist in Duxford nordöstlich von London das traditionelle „WAR-BIRD" flying. Während wir Deutsche noch immer über unsere Vergangenheit lamentieren uns Asche aufs Haupt träufeln und uns als die größten Bösewichte in der Welt seit der Römerzeit selbst darstellen, haben die Engländer ihr Selbstwertgefühl fest im Griff.

Warum sollen sie auch die Bösewichte sein, wenn es Deutsche gibt, die alle Schuld auf sich nehmen. So haben sie Flugzeugmuseen eingerichtet, wo nicht nur alte Kriegsflugzeuge ausgestellt sind, sondern auch flugbereit instand gesetzt werden. So zieht es jedes Jahr die englischen Kriegsveteranen nach Duxford, wo ihre Feldherrenerinnerungen sie mit Stolz erfüllen. Dann ziehen über die Zuschauerköpfe Mitchell-Bomber, Spitfire, Hurrikans, Lancaster und auch Me 109 hinweg. Sie brummen dann im vertrauten Sound.

Egal in welcher Waffengattung , ob sie im Suez, Indien, Burma, Afrika oder auch in Deutschland gekämpft haben. Duxford ist ein Muss für jeden Engländer, der britisches Selbstbewusstsein hat. So werden Schülerausflüge nach Duxford organisiert um auf die glorreiche Vergangenheit der RAF-Royal Airforce (bei uns mit „Roter Armee Fraktion" nicht zu verwechseln) zu erinnern.

Ich habe den Krieg nicht mitgemacht. Vielleicht gerade deswegen kann ich mich für die technisch und optisch sehr interessanten Propellerflugzeuge auch begeistern, und dann von Deutschland nach England mit einem eigenem Flugzeug direkt zur Flugschau zu fliegen, das ist ein Traum, den sich gewiss nur wenige erfüllen können. So sortierte ich meine Informationen, schaute in den Atlas, maß nach und glaubte es schaffen zu können.

Meine Überlegungen mit einem UL nach England zu fliegen, wurde von meinen Vereinskameraden (Echo-Flieger) süffisant zur Kenntnis genommen.

Gut gemeint wurde mir angeboten, mich ihnen anzuschließen und auch in einer gecharterten Antonow mitzufliegen. Dieses wiederum warf meinerseits die Frage auf, was bewegt Echo-Piloten, die Vereinflugzeuge zuhause lassen um mit einer gecharterten Maschine nach England zu fliegen, wobei die Kosten gleich, wenn nicht noch höher sind? Liegt es an der schlechten Orientierungsmöglichkeit, wegen mangelnder Schienen über dem englischen Kanal, dem berüchtigten englischen Nebel, mangelnde Fähigkeit in Notsituationen schwimmen zu können, dem englischen Sprechfunk, Flugplanaufgabe oder gar den Heimatflugplatz nicht wieder zu finden? Mein Kopfschütteln ihnen gegenüber war von realistischeren Gedanken geprägt als umgekehrt. Doch Spaß beiseite. Risikolos ist solch ein Unternehmen keineswegs. Wir sind alle keine Profis, sondern nur Hobbyflieger. Aber als ehemaliger Putzlappenflieger darf ich wohl auch mal lästern. So bestellte ich die Karten für Belgien, Frankreich und England samt Triptik-Set. Mit meinem As im Ärmel, Ralf Heinrichs, ein angehender Linienpilot, arbeiteten wir die Route aus. Grob über den Daumen 3 Stunden bis Kortrejk in Belgien, kleine Pause zum Auftanken und noch mal 3 Stunden bis Duxford .

So näherte sich dann das besagte Wochenende. Donnerstag sollte es losgehen. Für die Antonowflieger als auch für uns. Als ich Mittwochnachmittag meinen Flieger flugfertig gemacht hatte, bekam ich natürlich noch mal von einem Vereinskameraden das wohlwollende Angebot einen nicht besetzten Platz in der AN2 einnehmen zu können. Der wollte es immer noch nicht glauben mit dem UL über den Ärmelkanal, ohne LBA-Stempel am Flugzeug (unmöglich), zu fliegen.

Nach dem Wetterbericht wurde am Vorabend der Flugplan per Telefon aufgegeben.

Pünktlich um 8.30 Uhr erhob sich unser Flieger am 1. Donnerstag im Juli 2001 vom Flugplatz Schmallenberg-Rennefeld gegen Engeland. Die Antonowflieger wollten das zwar auch, aber kein Mensch war zu sehen.

Bei bedecktem Himmel und mittlerer Sicht flogen wir Richtung Wipper. Leverkusen, Kontrollzone Düsseldorf kratzen, Aachen und jetzt die belgische ICAO-Karte. Gott segne Deutschland. Ohne GPS durch Belgien mit deren ICAO-Karte, die sehr wenig Kontraste aufweist. In einem Land, wo es nur so von Kontrollzonen wimmelt. So geschwitzt habe ich noch nie. Doch dann kehrte Ruhe ein. Der Erfolg die ersten 50 km die Orientierung nicht verloren zu haben, machte stark.

Vom VOR Flora ging’s mit 280° nach Aarschot. Hier bietet sich als Auffanglinie ein Eisenbahnabzweig und Flusslauf an. Eisenbahn und Straße kann bis Pflichtmeldepunkt Lier (Kontrollzone Antwerpen) angehalten werden. Jetzt West-Südwest zwischen den Kontrollzonen von Brüssel und Antwerpen vorbei. Welch ein Aufatmen, Autobahnkreuz Willebroek wurde überflogen .Der weitere Flug ist dank Eisenbahn, Flusslauf der Schelde und der Autobahn nach Lille an Gent vorbei, nun ein Kinderspiel. Kortrijk muss dann irgendwann rechts an der Autobahn liegen.

Tatsächlich, rechts von der Autobahn, taucht Kortrijk im Dunst auf. Die Frequenz von Brüssel Information wird für Kortrijk gewechselt und schließlich war das erste Etappenziel erreicht. Das Zwischenergebnis wurde bei einem Mittagessen im Flugplatzrestaurant gefeiert. Zwischendurch kam der Zöllner an den Tisch und wünschte guten Flug. Der freundliche und hilfsbereite Mann auf dem Turm gab den Flugplan auf, und schon rollten wir auf dem Taxiway gegen Engeland. Unsere Autobahn leitete uns wieder weiter Richtung Westen. Doch kurz vor der französischen Grenze hörte sie auf. Jetzt heißt es Kurs halten. West-Südwest müsste die Eisenbahn nach Dünkirchen auftauchen. Richtig, sie jetzt kreuzen und da war die Eisenbahn nach Calais.

 

Rechts Calais liegen lassen und da ist schon der Kanal. Der Leuchtturm von Sahngatte. Jetzt war geplant zu Steigen um im Gleitwinkel nach England einzufliegen (denn wir haben ja ein UL-Flugzeug und fliegen nur auf Sicherheit).

 

Wolkenuntergrenze max. 300 m. Heiliger St. Rotax schau bitte nicht nach unten. Nebelschleier ziehen vorbei. Gut ausgetrimmt liegt unser C 42 satt wie ein Verkehrsflugzeug in der Luft. Nur mit Seitenruder muss der Kurs gehalten werden. Eine Flugeigenschaft, die bei Langstreckenflügen nicht angenehmer sein kann. Über Segelboote, Fährschiffe und Frachter hinweg, schweift der Blick zum unsichtbaren anderen Ufer. Tiefes Durchatmen nach 20 min. Hafen von Dover in Sicht. St. Margarets Cliff grüßt uns. Der Eisenbahn entlang nun weiter nach Canterbury und Rochester. Es darf jetzt wieder geflaxt werden.

Alles ist plötzlich ganz einfach. Rechts ist die See in Sicht. Wir überqueren die Themse. Unter uns ist reger Schiffsverkehr. Die Hafenanlagen von London und das Kraftwerk von Tilbury geben gute Orientierungspunkte ab. Jetzt den nördlichen Autobahnring um London anhalten. Dann kommt ein Fluss mit Eisenbahn, dem folgen wir Richtung Norden. Kontrollzone London Stansted rechts liegen lassen und das VOR Nuthamstead anpeilen. Jetzt Kurs Nord und nach 15 km liegt unser Wiesenplatz Fowlemere unter uns (4 km schräg gegenüber liegt Duxford). An Funk hat hier kein Mensch Interesse. Runter zur Landung und siehe da, wir sind heute die ersten Deutschen. Aber davon nimmt hier keiner Notiz. Man begrüßt uns am Hangar freundlich, als wenn wir gerade um die Ecke gekommen wären. Hallo, you like coffee, some sweets? Here is the automat. Unsere Vereinskameraden kamen dann doch noch mit der Antonow -2 Stunden später-.

Wir freuten uns alle wieder beisammen zu sein und hatten das nächste gemeinsame Ziel: Das nächste engl. PUB aufzusuchen.

Und die nächsten Tage gab es nur noch Motorengebrumme wie zu Kriegszeiten mit Bombengeschwadern , Luftkämpfen, wobei manchmal auch was kaputt ging. Alles bei Wolkenuntergrenze ca. 500 m. - Alles wie im richtigen Leben -.

Prospekt von Duxford

Prospekt der Airshow von Duxford

 

Duxford; unser "Taxi" Jahrgang 42. Alles Original, incl. der Engländer in RAF Uniform Original Wandgemälde in einer Scheune, die als Offizierskassino im 2. Weltkrieg diente

Duxford;

 unser "Taxi" Jahrgang 42. Alles Original, incl. der Engländer in RAF Uniform

Original Wandgemälde in einer Scheune, die als Offizierskasino im 2. Weltkrieg diente

   
Cockpit eines Bombers Vorm Storch, hinten Ju52 -flugfähig-, ganz vorn Alfred Schnüttgen

Cockpit eines Bombers

Vorn Storch, hinten Ju52 -flugfähig-, ganz vorn Alfred Schnüttgen

 

An unseren Rückflug dachte jetzt noch niemand, denn der sollte auch noch spannend werden.

Alfred Schnüttgen

 

 

Flugvorbereitung:

Der Funk wird in Englisch durchgeführt. Keine Angst! Die Fluginformation ist sehr hilfsbereit und beschränkt sich im allgemein auf die notwendigsten Informationen. In England verlangte man z.B. von London-Control: die Angabe der jeweils nächsten größeren Auffanglinie .Das muss nicht die Regel sein. Oft gibt die Fluginformation gar keine Antwort.

Die Karten: Am hilfsreichsten für die terristische Navigation sind noch immer die ICAO-Karten. Sie sind jedoch von Land zu Land in unterschiedlicher Kontrastqualität. Mit verschiedenen Karten im gleichen Streckenabschnitt zu fliegen ist verwirrend.

GPS : Hat man keine Ruten oder Flugplätze im GPS eingespeichert, so zeigt das GPS immerhin die Koordinaten der momentanen Position an. Bei der Planung sollten neben den Auffanglinien auch wichtige Koordinaten notiert werden.

Flugplanaufgabe: Das Formular ist im Internet mit Ausfüllanleitung erhältlich. Gibt man dann den Flugplan per Telefon auf, hat man die Gewissheit nichts falsch gemacht zu haben. Der Zielflugplatz schließt den Flugplan im allgemein selbständig. Nachfragen ist nicht verkehrt. Man kann auch selbst die Flugsicherung anrufen. Dann sollte man sich den Namen der Person notieren, die das Gespräch entgegen nimmt. Denn wird innerhalb der Fluginformation die Landung nicht verarbeitet (Computer) wird unter Umständen behauptet, man hätte den Flugplan nicht geschlossen.

Landplätze für UL: Für Belgien und Frankreich siehe Internet, DULV usw. In Belgien ist es wie in Deutschland. UL-Platzzulassungen kommen und gehen. In England kann man überall landen ( Einverständnis des Grundstückeigentümers). Engländer sind flugbegeistert, auch die Nichtflieger. Die Landegebühren sind jedoch recht hoch.

Zoll Hin: Deutschland- Belgien: Schengener Abkommen

Belgien-England: manchmal kommt ein Zöllner

England: keinen Zoll gesehen

Zurück: dito.

Sicherheitsausrüstung: danach gefragt hat keiner. Schwimmweste nicht verkehrt, evtl. 2-tes Handfunkgerät.